Ein weiterer Brief der Gesamtschule – Beruhigung für die meisten, aber leider nicht für alle Eltern

Am Anfang der Woche konnte die Sekundarschule Swisttal eine ausreichende Anzahl Anmeldungen für eine Dreizügigkeit vorweisen. Somit war auch der Weg für die Freigabe des sechsten Zugs an der Gesamtschule Rheinbach durch die Bezirksregierung frei.

Zusätzlich wurde die Klassenstärke von 27 auf 29 Kinder erhöht. Dazu gab es diverse Bedenken, da schon bei Klassen mit 27 Kindern, die teilweise Förderbedarf benötigen, ein geregelter Unterricht schwierig ist. Mit 29 Kindern ist das dann schon eine Herausforderung. Hier muss sichergestellt werden, dass trotz der höheren Klassenstärke die Qualität des Unterrichts gewährleistet ist. Das werden die betroffenen Eltern sicher genau beobachten und dafür kämpfen, dass hier ausreichend Personal zur Verfügung steht, um auch die sozialen Aspekte nicht unberücksichtigt zu lassen.

Leider konnte der neue sechste Zug nicht ausschließlich mit Kindern aus Rheinbach besetzt werden, sondern es musste wieder ein Losverfahren durchgeführt werden, bei dem Kinder aus den Nachbarkommunen gleichberechtigt mit Kindern aus Rheinbach berücksichtigt werden. Das heißt von den 39 zusätzlichen Plätzen konnten nur 25 mit Rheinbacher Kindern besetzt werden.

Am Freitag, den 16.03.2018, erhielten dann alle Eltern, die vor vier Wochen die Ablehnung der Gesamtschule erhielten, nochmals ein Schreiben der Gesamtschule. Für 25 abgelehnte Rheinbacher Kinder wurden somit im Nachrückverfahren Plätze an der Gesamtschule zur Verfügung gestellt. Für die übrig gebliebenen Kinder wird noch versucht, eine Lösung zu finden, die zum Beispiel in einer Aufnahme am städtischen Gymnasium oder der Realschule Meckenheim besteht.

Emotionen

Damit endete für die meisten betroffen Eltern, aber insbesondere für die Kinder, eine wochenlange Zeit der Ungewissheit, aber auch starker emotionaler Belastung.

Den Kindern musste auch deutlich gemacht werden, dass die ursprüngliche Ablehnung nichts mit ihnen persönlich zu tun hat. Viele hatten das auf sich selbst bezogen.

Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass erste Briefe angekommen sind, sind viele Eltern voller Aufregung ihrem Postboten entgegen gegangen, weil sie es einfach nicht mehr erwarten konnten.

Die Anspannung war auch deshalb so hoch, weil am 16.03.2018 die Frist für die Anmeldung an einer weiterführenden Schule endete. Kinder, die dann nicht an einer weiterführenden Schule angemeldet sind, werden von der Bezirksregierung an Schulen mit freien Kapazitäten weiterverwiesen, die theoretisch bis zu 90 Minuten einfache Fahrtstrecke entfernt liegen können. Auch die Situation, dass die Realschule Meckenheim signalisiert hatte, dass man dort kurz vor dem Losverfahren sei und keine Anmeldegespräche mit Rheinbacher Kindern durchführe, trug nicht zur Entspannung der Situation bei.

Endlich können wir Eltern und unsere Kinder aber wieder ein Wochenende ohne Anspannung genießen.

Kosten der Schulplätze

Die Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger kommen letztendlich mit Ihrer Grundsteuer etc. für die Räumlichkeiten der Schule auf, was die Finanzen der Stadt Rheinbach mit erheblichen Kosten belastet.

Es findet aber kein Ausgleich zwischen den Kommunen statt. So erhält die Stadt Rheinbach zum Beispiel keine Gelder aus Swisttal, obwohl eine Vielzahl an Kindern aus Swisttal die weiterführenden Rheinbacher Schulen besucht. Ein häufig genannter Grund ist die schlechte Busanbindung an die Swisttaler Sekundarschule. Insbesondere Kinder aus Odendorf können die Rheinbacher Schulen wesentlich besser per Zug erreichen.

Situationen für die nachfolgenden Jahrgänge

Aufgrund des Raumkonzepts an der Rheinbacher Gesamtschule wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, sechszügige Jahrgänge zu starten. Das wird die Eltern direkt schon im nächsten Jahr 2019/2020 vor die gleiche Situation stellen, die auch wir in diesem Jahr erlebt haben. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die Anmeldezahlen im nächsten Jahr mindestens auf dem Niveau diesen Jahres liegen werden und somit wieder mehr als 50 Kinder (darunter auch mindestens die Hälfte aus Rheinbach) keinen Schulplatz an einer weiterführenden Schule in Rheinbach erhalten können.

Hier muss jetzt zeitnah etwas passieren, damit die Situation nicht wieder eskaliert und viele Eltern und Kinder wochenlang in Unsicherheit und teilweise auch verzweifelt die weitere Entwicklung abwarten müssen.
Es gibt auch Seitens der Politik schon verschiedene Initiativen wie die Eröffnung des Standortes Alfter (gegen den Swisttal bereits bei der Bezirksregierung Protest eingelegt hat) oder eine Kooperation mit Swisttal (die von dort in der Vergangenheit immer abgeblockt wurde) oder Gesetzesänderungen.

Ein großer Teil der Eltern, die jetzt für die Kinder des Jahrgangs 2018/2019 gekämpft haben, wird im Rahmen einer Eltern-/Bürgerinitiative weiter machen. Viele Eltern, deren Kinder in den nächsten Jahren in eine weiterführende Schule wechseln, haben schon angekündigt, sich dieser Initiative anzuschließen. Aber auch viele Bürgerinnen und Bürger, die nicht direkt betroffen sind, haben ihre Unterstützung angekündigt, da sie es für absolut nicht akzeptabel halten, dass in der Schulstadt Rheinbach nicht jedes Rheinbacher Kind einen Schulplatz an einer weiterführenden Schule erhält.

Wir die Eltern werden in diesem Blog aber auch über Facebook und unsere Kontakte zur Presse weiter über die Entwicklung informieren und alles dafür tun, damit eine solche Situation wie in diesem Jahr nicht noch einmal entsteht.

Dankeschön und Bitte um Verständnis

Wir möchten uns auch bei all den Rheinbacher Bürgerinnen und Bürgern bedanken, die uns, obwohl sie nicht persönlich betroffen waren, unterstützt haben.

Zusätzlich möchten wir aber auch einen Appell an diejenigen richten, die unsere Aktionen als übertrieben abgetan haben. Wer nicht selbst davon betroffen ist und insbesondere auch die Enttäuschung der Kinder miterleben muss, wird das nicht unbedingt nachvollziehen können. Aber leider haben wir in Rheinbach aktuell nicht mehr die Situation, dass auch jedes Rheinbacher Kind einen Platz an einer weiterführenden Schule garantiert bekommt. Daher kann es jeden in den nächsten Jahren treffen, der für sein Kind einen Schulplatz benötigt.